Müssen sich die eigenen Tomaten rechnen?
Müssen sich die eigenen Tomaten rechnen?
Ob selbst gezogenes Gemüse Geld spart und ob das Gärtnern Freude macht, sind zwei verschiedene Fragen. Beide verdienen eine ehrliche Antwort.
Stell dir vor, auf dem Küchentisch stehen die letzten Tomaten der Saison. Daneben liegen die Belege für Pflanzen, Erde und Töpfe. Eigentlich sollten die Tomaten ins Abendessen. Jetzt sollen sie erst einmal ihre Wirtschaftlichkeit erklären.
Die Frage ist berechtigt. Wer Gemüse anbaut, um weniger Geld auszugeben, braucht eine Rechnung – nicht bloß den Hinweis, dass ein Hobby eben kostet. Ob eine Ersparnis entsteht, hängt unter anderem von Ausgaben und Ertrag ab. [1] Umgekehrt ist eine Saison nicht automatisch misslungen, weil das Gemüse im Laden billiger gewesen wäre.
Hilfreich sind zwei getrennte Fragen: Habe ich beim Essen Geld gespart? Und war mir das Gärtnern sein Geld wert?
Erst die Rechnung, ohne Sommerzuschlag
Notiere, was du tatsächlich für den Anbau ausgegeben hast. Dazu können Pflanzen oder Saatgut, zugekaufte Erde, Dünger, Wasser und gegebenenfalls Beetmiete gehören. Stell neue Anschaffungen wie Töpfe, Stäbe oder Werkzeug gesondert daneben: Brauchbare Ausstattung kannst du weiterverwenden, statt sie erneut zu kaufen. [1]
Ein frei erfundenes Beispiel, keine Preis- oder Ertragsprognose: Du gibst 30 Euro für wiederverwendbare Ausstattung und weitere 20 Euro für die Saison aus. Die gegessene Ernte ersetzt Einkäufe für 25 Euro. Dann sind zunächst 25 Euro mehr aus deiner Haushaltskasse geflossen, als wenn du diese Tomaten gekauft hättest. Die Ausstattung besitzt du dafür weiterhin; es geht hier um ausgegebenes Geld, nicht um ihren verbleibenden Wert.
Im nächsten Jahr könnte die Rechnung anders aussehen, weil du die Ausstattung bereits hast. Bei unverändert 20 Euro weiteren Ausgaben und 25 Euro ersetzten Einkäufen blieben in dieser zweiten Saison 5 Euro übrig. Über beide Jahre zusammen wären es noch 20 Euro Mehrausgaben. Das ist keine Zusage: Neue Anschaffungen, andere Preise oder eine andere Ernte verändern das Ergebnis.
Für deine mehrjährige Bilanz addierst du die Ausgaben und die tatsächlich ersparten Einkäufe über die betrachteten Jahre. Den Kauf eines Topfes zählst du nicht jedes Jahr erneut – du lässt ihn aber auch nicht verschwinden, weil du ihn gern gekauft hast.
Nicht alles Geerntete ist gespartes Geld
Für eine Ersparnis in deiner Haushaltskasse zählt, was einen Einkauf tatsächlich ersetzt. Die Tomaten, die verderben, tun das nicht. Verschenkte Früchte können große Freude machen, reduzieren aber nicht automatisch deine eigene Lebensmittelrechnung.
Nimm als Vergleich den Preis der Tomaten, die du sonst zur jeweiligen Zeit wirklich gekauft hättest. Nicht den teuersten Fund, mit dem sich die eigene Ernte besonders gut rechnet. Möchtest du für einen Geschmack, den du lieber magst, mehr ausgeben, ist das eine andere Entscheidung – und ebenfalls eine legitime.
Du musst nicht jede Frucht einzeln abrechnen. Notizen zu Erntemengen und Verwendung sind ein guter Anfang. Auch das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft empfiehlt, für die Anbauplanung festzuhalten, was und wie viel im Haushalt gegessen wird, und am Saisonende Erfolge und Misserfolge zu notieren. [2]
Was nicht auf dem Kassenbon steht
Vielleicht war dein schönster Moment nicht die volle Schale, sondern der Tag, an dem du die erste rote Frucht entdeckt hast. Vielleicht hast du Sorten verglichen und eine gefunden, die dir besonders gut schmeckt. Oder du warst abends gern noch kurz bei den Pflanzen. Dafür musst du keine Eurobeträge erfinden.
Zeit gehört ebenfalls zur Beurteilung: Zum Pflanzen, Pflegen und Ernten kommt gegebenenfalls das Verarbeiten der Ernte. [2] Für einen reinen Vergleich der Geldausgaben kannst du deine eigene Arbeitszeit separat notieren, ohne ihr einen Stundenlohn zu geben. Wichtig bleibt, ob du diese Zeit gern verbringst oder sie dir anderswo fehlt. Wer auch entgangene Verdienstmöglichkeiten vergleichen will, braucht eine zusätzliche Rechnung.
Setz vor der nächsten Saison einen Betrag fest, den du dafür ausgeben kannst und möchtest – auch wenn die Ernte geringer ausfällt als erhofft. Ein mögliches Sparziel notierst du daneben. Ist die Ersparnis zwingend nötig, darf ein schönes Gefühl ein Minus nicht nachträglich ausgleichen.
Vielleicht lautet dein Fazit: keine billigeren Tomaten, aber eine Sorte, auf die du dich wieder freust, und ein Sommer, den du gern so verbracht hast. Für ein weiteres Jahr brauchst du dann keinen erfundenen Gewinn. Ein passendes Budget und die Lust, wieder nach den ersten roten Früchten zu schauen, sind eine bessere Grundlage.
Quellen & Hinweise zu diesem Text
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In dieser Fassung sind keine direkt aufrufbaren Quellenlinks enthalten.
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