Die Regentonne rechnet anders als du
G45 — Die Regentonne rechnet anders als du
Eine volle Regentonne sieht nach gespartem Geld aus. Entscheidend ist aber nicht, wie viel Wasser hineinpasst, sondern wie viel davon später tatsächlich Leitungswasser ersetzt.
Nach einem kräftigen Regen steht sie da: 300 Liter, 500 Liter oder was auch immer auf der Tonne steht. Voll bis obenhin.
Das fühlt sich sofort wirtschaftlich an. Kostenloses Wasser! Der Garten finanziert sich praktisch selbst!
Eine Woche später ist die Tonne noch halb voll, es regnet erneut, und ein Teil des neuen Wassers läuft über.
Spätestens jetzt lohnt sich eine nüchternere Rechnung.
Gespart wird erst beim Gießen
Regenwasser im Behälter ist zunächst ein Vorrat. Eine finanzielle Ersparnis entsteht erst dann, wenn du dieses Wasser tatsächlich nutzt und dadurch Wasser aus der Leitung nicht kaufen musst.
Die Rechnung kann erstaunlich schlicht sein:
genutztes Regenwasser in Litern ÷ 1.000 × dein Trinkwasserpreis pro m³ = vermiedene Trinkwasserkosten
Wenn du beispielsweise 500 Liter Regenwasser tatsächlich zum Gießen verbrauchst, hast du 0,5 m³ Leitungswasser ersetzt. Welchen Eurobetrag das bedeutet, nimmst du nicht aus einem bundesweiten Durchschnitt, sondern aus deinem eigenen Tarif beziehungsweise deiner Wasserrechnung.
So vermeidest du den schönsten Rechentrick der Regentonne: jeden Liter zu zählen, der einmal hineingeregnet ist – auch wenn derselbe Behälter beim nächsten Regen noch voll war.
Verbraucherzentralen empfehlen Regenwasser für die Gartenbewässerung als Möglichkeit, Trinkwasser zu sparen. Das Umweltbundesamt untersucht in einer aktuellen Studie ausdrücklich Trinkwassereinsparpotenzial, Wirtschaftlichkeit und ökologische Effekte verschiedener Regenwassernutzungen und zeigt damit zugleich: Die Wirtschaftlichkeit hängt vom Nutzungsszenario ab, nicht allein vom Vorhandensein eines Speichers. (Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt; Umweltbundesamt)
Eine große Tonne kann klein genutzt werden
Für die passende Größe helfen drei Fragen mehr als ein möglichst großer Literwert:
- Wie viel Dachfläche liefert überhaupt Wasser in die Tonne?
- Wie viel Wasser verbrauchst du zwischen zwei Regenereignissen tatsächlich im Garten?
- Was passiert, wenn die Tonne voll ist?
Eine sehr kleine Tonne läuft bei starkem Regen schnell über. Eine riesige Tonne kann dagegen lange voll bleiben, wenn du nur drei Kräutertöpfe gießt. Mehr Speicher ist dann zwar mehr gespeichertes Wasser, aber nicht automatisch mehr gespartes Geld.
Zum Kaufpreis kommen außerdem je nach System Fallrohranschluss oder Regensammler, stabiler Untergrund beziehungsweise Sockel, Hahn, Überlauf-Lösung und Wartung. Wenn du dafür bauliche Teile am Mietobjekt verändern musst, kläre vorher die Zustimmung des Vermieters.
Niederschlagsgebühr ist eine andere Rechnung
Manchmal wird der Regentonne gleich noch eine Ersparnis bei Abwasser- oder Niederschlagsgebühren zugeschrieben. Das solltest du nicht pauschal einrechnen. Ob und unter welchen Bedingungen versickerndes oder zurückgehaltenes Regenwasser bei kommunalen Gebühren berücksichtigt wird, entscheidet die jeweilige Kommune. Die Verbraucherzentrale rät, dafür bei der zuständigen Verwaltung nachzufragen. (Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt)
Für deine private Regentonnen-Rechnung ist es sauberer, zunächst nur das zu zählen, was sicher messbar ist: vermiedenes Leitungswasser minus Kosten der Lösung. Eine mögliche Gebührenersparnis kommt erst dazu, wenn sie für dein Grundstück tatsächlich gilt.
Beobachte einen Sommer statt einen Produktzettel
Wenn du wissen möchtest, welche Tonne zu deinem Garten passt, protokolliere für einige Wochen grob:
- wann sie voll wird,
- wann sie leer wird,
- wie oft Wasser überläuft,
- und wann du trotzdem Leitungswasser brauchst.
Danach weißt du mehr als aus der Literzahl im Onlineshop.
Vielleicht stellst du fest, dass du mehr Speicher gebrauchen könntest. Vielleicht reicht die kleine Tonne völlig. Vielleicht ist dein eigentliches Problem nicht der Speicher, sondern dass Regenwasser an einer Dachseite anfällt und die durstigen Pflanzen auf der anderen stehen.
Eine Regentonne spart also nicht Geld, weil sie Regen besitzt.
Sie spart Geld, wenn du ihren Inhalt rechtzeitig benutzt.
Der Regen liefert kostenlos. Die Logistik gehört weiterhin dir.
Quellen & Hinweise zu diesem Text
Die im Originaltext genannten Quellen:
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