Im Winter ist der Garten nicht leer – nur das Buffet sieht anders aus

Pflanzen & Ernten

G48 — Im Winter ist der Garten nicht leer – nur das Buffet sieht anders aus

Wer im Herbst alles sauber abschneidet, räumt manchmal genau das weg, was Vögel im Winter noch gebrauchen können. Ein vogelfreundlicher Garten darf deshalb ein bisschen unfertig aussehen.

Im Oktober gibt es zwei Arten, auf eine verblühte Staude zu schauen.

Die erste sieht Arbeit: braune Stängel, trockene Köpfe, bitte weg damit.

Die zweite sieht ein ziemlich kleines Restaurant.

Samen oben. Insekten irgendwo dazwischen. Laub am Boden. Hagebutten ein paar Meter weiter.

Für einen Vogel ist „aufgeräumt“ eben keine Stilrichtung.

Der Wintertisch wächst schon im Sommer

NABU Hessen empfiehlt beim Herbstputz ausdrücklich, natürliche Futterquellen stehen zu lassen. Abgeblühte Stauden, Sonnenblumen, Karden und Gräser tragen Samen, die im Winter von Vögeln genutzt werden können. (NABU Hessen)

Der BUND Naturschutz nennt denselben Zusammenhang noch breiter: stehen gelassene Stauden und Altgras bieten Körner und zugleich Lebensraum für Insekten beziehungsweise deren Larven; auch Laub, Hecken und Kompost schaffen Nahrung und Struktur. (BUND Naturschutz)

Das heißt nicht, dass du deinen gesamten Garten in eine braune Wildnis verwandeln musst. Es bedeutet eher: Nicht jede verblühte Pflanze ist im Oktober automatisch Müll.

Such dir ein paar Stellen aus, an denen Samenstände stehen bleiben dürfen. Vielleicht dort, wo du sie im Winter sogar vom Fenster aus siehst.

Beeren sind besser, wenn sie nicht nur für uns dekorativ sind

Sträucher mit Früchten können im Winter eine weitere natürliche Futterquelle sein. NABU nennt beispielsweise Hagebutten und andere Beeren zusammen mit Samenständen als Teil eines naturnahen Winterangebots. (NABU: Vogelfütterung im Winter)

Für die Pflanzenauswahl gilt trotzdem dieselbe Regel wie in jedem anderen Gartenartikel: Erst Standort, Platz und spätere Größe prüfen. Ein „vogelfreundlicher“ Strauch, der nach wenigen Jahren an der falschen Stelle zu groß wird, ist keine besonders nachhaltige Hilfe.

Und nicht jede Frucht bleibt tatsächlich bis Januar hängen. Vögel, Wetter und Reifezeit halten sich nicht an unsere Winterdekoration.

Das Futterhaus ist Ergänzung, nicht Ersatz für den Garten

Wenn du zusätzlich fütterst, kannst du Vögel gut beobachten. Aber die Futterstelle ersetzt keine abwechslungsreiche Umgebung.

Der LBV rät beispielsweise dazu, bei Meisenknödeln auf Plastiknetze zu verzichten. Kleine Vögel können sich darin verfangen, und leere Netze werden zusätzlich zu Müll in der Natur. (LBV)

NABU weist ebenfalls auf diese Verletzungsgefahr hin. (NABU)

Wenn du Fettfutter anbietest, ist ein geeigneter Halter ohne Plastiknetz deshalb die bessere Lösung. Futterstellen sollten außerdem so betrieben werden, dass das Futter nicht verdirbt und sich möglichst wenig Kot im Futter sammelt.

Aber bevor du etwas kaufst, lohnt sich ein Blick aus dem Fenster: Vielleicht steht das erste Winterbuffet schon da.

Ein bisschen weniger Herbstarbeit ist hier tatsächlich eine Maßnahme

Für einen kleinen Test brauchst du keine komplette Neugestaltung.

Lass in diesem Herbst zum Beispiel:

  • einige Samenstände stehen,
  • einen Teil des Laubs unter Sträuchern oder auf geeigneten Beeten liegen,
  • vorhandene beerentragende Sträucher ihre Früchte behalten,
  • und eine Ecke etwas weniger gründlich „fertig“ aussehen.

Beobachte im Winter, was dort passiert. Vielleicht kommen Finken an die Samen. Vielleicht dreht eine Amsel Laub um. Vielleicht passiert an genau deiner Stelle zunächst gar nichts. Ein naturnaher Garten ist keine Vogelbestellung mit Liefertermin.

Der Gewinn liegt schon darin, den Garten anders zu lesen.

Im Sommer ist eine Staude Blüte.

Im Herbst ist sie angeblich vorbei.

Und im Winter hängt vielleicht noch Frühstück daran.

Quellen & Hinweise zu diesem Text

Die im Originaltext genannten Quellen:

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