Kuchen draußen, Wespe daneben
G42 — Kuchen draußen, Wespe daneben
Du brauchst keinen wespenfreien Garten, um draußen Kuchen zu essen. Du brauchst vor allem einen Plan, der nicht mit Fuchteln, Pusten und einer Falle auf dem Tisch beginnt.
Der Kaffee steht da. Der Kuchen auch. Dann erscheint die erste Wespe.
Eine Person friert ein. Eine andere wedelt mit der Serviette. Irgendjemand schlägt vor, „einfach kräftig zu pusten“. Der gemütliche Nachmittag hat innerhalb von zwanzig Sekunden ein Sicherheitsteam gegründet.
Dabei ist das eigentliche Ziel viel kleiner: Der Kuchen soll weiterhin Kuchen bleiben und nicht zum Austragungsort eines Mensch-Wespe-Konflikts werden.
Erst den Tisch uninteressanter machen
Das Umweltbundesamt empfiehlt, Lebensmittel im Freien abzudecken und Essensreste wegzuräumen. Nach dem Essen sollten besonders bei Kindern Mund und Hände feucht abgewischt werden. Das klingt unspektakulär – und genau das ist der Vorteil. (Umweltbundesamt)
Für eine Kaffeetafel heißt das: Schneide den Kuchen nicht schon eine Stunde vorher in viele offene Stücke. Deck Saft, Marmelade und Süßes wieder ab, wenn gerade niemand zugreift. Bring leere Teller und klebrige Reste weg, statt sie als zweite Speisekarte auf dem Nebentisch stehen zu lassen.
Damit verschwindet nicht garantiert jede Wespe. Aber du machst aus dem Tisch weniger von dem, was sie sucht: eine ständig offene Nahrungsquelle.
Zwei Reflexe, die du dir sparen kannst
Nicht anpusten. Das Kohlendioxid in der Atemluft kann für Wespen ein Alarmsignal sein. Nicht hektisch schlagen oder wedeln. Heftige Bewegungen können die Tiere zusätzlich in Alarmbereitschaft versetzen. (Umweltbundesamt)
Das ist eine kleine, aber schöne Umkehrung: Die Wespe kommt – und ausgerechnet die Reaktion, die sich am aktivsten anfühlt, ist nicht unbedingt die hilfreichste.
Das Umweltbundesamt nennt als friedliche Abwehrmöglichkeit auch vorsichtiges Besprühen mit Wasser aus einer Sprühflasche. Außerdem kann Ablenkfutter in einiger Entfernung helfen. Beides ist eher ein Versuch, die Situation zu lenken, als eine Garantie für einen komplett wespenfreien Tisch. (Umweltbundesamt)
Die Falle löst nicht automatisch das Kaffeetafel-Problem
Wespenfallen wirken zunächst logisch: Wespe hinein, Ruhe am Tisch. Das Umweltbundesamt weist jedoch darauf hin, dass solche Lockfallen auch andere Insekten und sogar besonders geschützte Arten fangen können. Außerdem wird bei der Wirksamkeitsprüfung nicht automatisch geprüft, ob dadurch tatsächlich deutlich weniger Wespen an deiner Kaffeetafel erscheinen. Sozial lebende Wespenvölker bestehen aus vielen Tieren; gefangene Einzeltiere können durch andere ersetzt werden. (Umweltbundesamt)
Hinzu kommt das Artenschutzrecht. Wildlebende Tiere dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden; einige Arten sind besonders geschützt. Eine Falle ist deshalb keine harmlose Tischdekoration. (Umweltbundesamt)
Eine Wespe am Kuchen ist etwas anderes als ein Nest am Sitzplatz
Eine Wespe, die fern vom Nest Nahrung sucht, ist eine andere Situation als ein Nest direkt an einem stark genutzten Eingang, an einer Kita oder an einem anderen sensiblen Ort. Bei einer vermuteten Gefahrensituation empfiehlt das Umweltbundesamt, sachkundige Wespen- oder Hornissenberatung einzubeziehen, statt selbst zur Nestbekämpfung überzugehen. (Umweltbundesamt)
Für den normalen Kuchennachmittag brauchst du meist keinen Kammerjäger und auch keinen Wespenbeschwörer.
Du brauchst Deckel, Ruhe und etwas weniger Drama mit der Serviette.
Und vielleicht ein zweites Stück Kuchen. Das erste hast du schließlich die ganze Zeit bewacht.
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